Cloud-Videoüberwachung ist längst kein Zukunftsthema mehr – sie ist in vielen Betrieben schon Alltag. Das Problem: Die meisten dieser Systeme sind so gebaut, dass Kameras, Software und Speicher an einen einzigen Anbieter gebunden bleiben. Wer wechseln will, fängt von vorne an. Das kostet Zeit, Geld und Nerven. Jetzt gibt es einen klaren Gegenentwurf aus der Normierung.
Was gerade in der Normierung passiert
ONVIF – die internationale Standardisierungsorganisation für IP-basierte Sicherheitstechnik – hat Anfang Juli 2026 einen Entwurfsstandard für herstellerunabhängige Cloud-Videoüberwachung veröffentlicht. Der Standard trägt den Namen „Profile V“ und soll bis Ende 2026 finalisiert werden. Das Ziel: Kameras, Cloud-Plattformen und Speicherdienste verschiedener Hersteller sollen künftig nach einem einheitlichen Schema miteinander funktionieren – ohne proprietäre Schnittstellen, ohne gegenseitige Abhängigkeit.
Was das technisch bedeutet
Ein Profile-V-konformes System arbeitet so: Die Kamera baut selbstständig eine verschlüsselte ausgehende Verbindung zur Cloud-Plattform auf. Dazu ist weder eine VPN-Konfiguration noch eine Port-Weiterleitung im Router nötig. Der Videostream wird über WebRTC übertragen – ein etabliertes, offenes Protokoll, das auch im Browser ohne Plugin läuft. Ereignismeldungen (z. B. Bewegungserkennung, Alarm) werden in Echtzeit an die Cloud weitergegeben, und alle Aufzeichnungen werden verschlüsselt in der Cloud abgelegt.
Sicherheit ist dabei kein Anhang, sondern Pflichtbestandteil: Jedes konforme Produkt muss ein eigens definiertes Sicherheits-Add-on implementieren, das die Authentifizierung über OAuth 2.0 regelt und die Verschlüsselung der Speicherung vorschreibt. Der Clou: Das Add-on lässt sich unabhängig vom Kernstandard aktualisieren – neue Sicherheitsanforderungen können nachgezogen werden, ohne den gesamten Standard neu schreiben zu müssen.
Was das für Betreiber konkret ändert
- Einzelne Komponenten austauschen: Kamera defekt oder veraltet? Einfach durch ein anderes Profile-V-konformes Modell ersetzen – das restliche System bleibt unverändert.
- Anbieter wechseln ohne Neustart: Wer mit der Cloud-Plattform unzufrieden ist, kann auf eine andere wechseln, ohne die gesamte Infrastruktur neu aufzubauen.
- Hybrid betreiben: Profile V lässt sich mit anderen ONVIF-Profilen für Zutrittskontrolle und Video kombinieren. Wer bereits ONVIF-konforme Kameras oder Zutrittsleser einsetzt, kann darauf aufbauen.
Warum das jetzt relevant ist – auch wenn Profile V noch im Entwurf ist
Wer heute eine Cloud-Videoanlage plant oder erneuert, legt damit die Basis für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Investitionen in proprietäre Systeme, die morgen einen Anbieterwechsel unmöglich machen, sind teuer – auch wenn sie beim Kauf günstiger wirken. Profile V ist noch kein finaler Standard, aber die Richtung ist klar: Offene Interoperabilität wird zum Qualitätsmerkmal.
Unser Klartext dazu: Fragen Sie bei jeder neuen Anlage gezielt, ob die Komponenten einem offenen Standard folgen oder ob Sie sich langfristig an einen Anbieter binden. Wir helfen Ihnen, das vor der Investitionsentscheidung zu klären – bevor es der Wartungsvertrag für Sie tut.
