Die Idee klingt verlockend: keine Karten mehr ausgeben, kein Schlüssel verlieren, Zugang einfach per App auf dem Smartphone. Mobile Credentials – also digitale Zugangsberechtigungen auf dem Mobilgerät – sind technisch ausgereift und in der Praxis angekommen. Aber sie sind nicht für jedes Unternehmen die richtige Wahl. Hier ist die Entscheidungshilfe, die wir unseren Kunden geben.
Was Mobile Credentials sind und wie sie funktionieren
Statt auf einer Chipkarte liegen die Zutrittsberechtigungen auf dem Smartphone – gespeichert in einer App, in einer Wallet-Lösung (Apple Wallet, Google Wallet) oder als sogenannte NFC-HCE-Lösung (Host Card Emulation), bei der das Smartphone selbst die Kartenfunktion emuliert. Der Leser an der Tür bekommt die Berechtigung per NFC (auf kurze Distanz, ähnlich wie beim kontaktlosen Bezahlen) oder per Bluetooth Low Energy (BLE, auch über größere Abstände, etwa ohne Smartphone-Berührung am Leser).
Berechtigungen werden zentral verwaltet und lassen sich sofort digital übertragen – ein neuer Mitarbeitender erhält seinen Zutritt direkt auf das Gerät, ein ausgeschiedener verliert ihn mit einem Klick. Kein physisches Medium muss ausgehändigt oder zurückgegeben werden.
Wo Mobile Credentials ihre Stärken ausspielen
- Verteilte Standorte und Remote-Mitarbeitende: Wer an wechselnden Standorten arbeitet oder selten im Büro ist, profitiert davon, Berechtigungen digital zu erhalten, ohne vor Ort erscheinen zu müssen.
- Externe Dienstleister mit zeitlich befristetem Zutritt: Zeitfenster-basierte Berechtigungen lassen sich per App sekundengenau vergeben und entziehen – ohne Schlüsselübergabe.
- Kein Medium ausgeben und verwalten: Kein Kartendrucker, keine Rückgabe-Logistik, keine verlorenen Transponder.
Wo die Chipkarte ihre Stärken behält
Laut einem aktuellen Marktüberblick vom März 2026 verläuft die erwartete Ablösung der Chipkarte durch das Smartphone deutlich langsamer als prognostiziert – und das aus gutem Grund (Quelle: wiot-group.com, März 2026). Weltweit wurden 2025 mehr als 3,2 Milliarden Smart Cards und Smart Badges ausgegeben, über 52 Prozent davon mit kontaktloser Technologie. Die Chipkarte hält sich aus konkreten Gründen:
- Akkuabhängigkeit: Ein leeres Smartphone sperrt die Tür. Eine Chipkarte funktioniert immer.
- Softwareprobleme und Updates: Betriebssystem-Updates auf iOS oder Android können Wallet-Lösungen temporär beeinträchtigen. Wallet-basierte Ansätze sind zudem abhängig von den Plattformregeln und Preisgestaltungen von Apple und Google.
- Dediziertes Sicherheitsmedium: Die Karte hat keine anderen Funktionen – sie ist kein Ablenkungsrisiko und kein Angriffsziel für App-Schadsoftware.
- Offline-fähige Schließsysteme: Besonders in der DACH-Region sind Offline-Schließzylinder verbreitet, die Statusdaten zurück an das Medium übermitteln müssen. Das funktioniert mit Wallet-Lösungen technisch nicht – HCE-Apps schon.
Die Entscheidungsmatrix
| Kriterium | Chipkarte | Mobile Credentials |
|---|---|---|
| Akkuunabhängigkeit | ✓ Immer | ✗ Akku erforderlich |
| Kein Ausgabe-Aufwand | ✗ Karte ausgeben | ✓ Digital übertragen |
| Offline-Zylinder kompatibel | ✓ Ja | △ Nur mit HCE-App |
| Plattformunabhängigkeit | ✓ Vollständig | △ Apple/Google Abhängigkeit (Wallet) |
| Multifunktional (Kantine etc.) | ✓ Ja | ✓ Ja (App-basiert) |
| Ideal für externe Dienstleister | △ Rückgabe nötig | ✓ Digital entziehen |
Unser Fazit
Mobile Credentials sind eine sinnvolle Ergänzung – besonders für externe Nutzergruppen und verteilte Standorte. Als vollständiger Ersatz der Chipkarte taugen sie in vielen Betriebsumgebungen noch nicht. Die sinnvollste Lösung ist häufig eine Kombination: Chipkarte für den Kernbetrieb, Mobile Credentials für externe Dienstleister und flexible Nutzer. Wir helfen Ihnen, die richtige Mischung für Ihre konkrete Situation zu finden.
