Blog

Mobilfunk im Schlüssel: Wie vernetzte Schließtechnik die Berechtigungsverwaltung verändert

Autor:

Veröffentlicht:

Wer ein weitläufiges Industrieareal, eine technische Infrastrukturanlage oder ein Gebäudeensemble mit mehreren Standorten betreibt, kennt die Herausforderung: Externe Dienstleister erhalten für eine bestimmte Wartungsmaßnahme temporäre Zutrittsberechtigungen, doch das Hinterlegen oder Löschen dieser Berechtigungen erfordert einen Umweg über eine stationäre Updatestation. Bei Anlagen, die über mehrere Hektar verteilt sind, bedeutet das zusätzliche Fahrtzeit, organisatorischen Aufwand und mitunter zeitkritische Lücken in der Zutrittskontrolle.

Ein neuer technischer Ansatz löst dieses Problem auf ungewöhnliche Weise: Der Schlüssel selbst übernimmt die Kommunikation. Assa Abloy hat mit dem eCLIQ Flash einen elektronischen Schlüssel vorgestellt, der nach Unternehmensangaben weltweit als erster über eine eigene Mobilfunkverbindung verfügt. Die Technologie dahinter, NB-IoT (Narrowband IoT) sowie LTE-M, eröffnet neue Möglichkeiten für die Verwaltung verteilter Schließanlagen.

Was steckt hinter NB-IoT und LTE-M?

NB-IoT und LTE-M sind Mobilfunkstandards, die speziell für batteriebetriebene IoT-Geräte konzipiert wurden. NB-IoT zeichnet sich durch eine besonders hohe Gebäudedurchdringung aus, was bedeutet, dass die Verbindung auch in Kellergeschossen, Technikräumen und abgeschirmten Industriehallen zuverlässig funktioniert, in denen herkömmliche WLAN- oder Bluetooth-Verbindungen kaum Reichweite haben. LTE-M ergänzt diesen Standard dort, wo schnellere Datenübertragung oder eine höhere Verfügbarkeit erforderlich ist.

Beide Standards verbrauchen sehr wenig Energie, was eine Voraussetzung für den praktischen Einsatz in einem handlichen Schlüssel mit begrenztem Akkuvolumen ist. Beim eCLIQ Flash gibt Assa Abloy eine Akkulaufzeit von rund einem Monat bei 800 Schließungen an. Die Schutzklasse IP67 ermöglicht zudem den Außeneinsatz auch unter ungünstigen Witterungsbedingungen.

Berechtigungsaktualisierung ohne Umweg über Updatestation

Bislang war für die Aktualisierung von Zutrittsberechtigungen in elektronischen Schließsystemen entweder ein Smartphone mit Bluetooth-App oder ein stationärer Updater vor Ort nötig. Beide Varianten setzen voraus, dass der Schlüsselträger einen definierten Punkt aufsucht, bevor er Zutritt zu einem Bereich erhält. Beim Mobilfunk-Schlüssel entfällt dieser Schritt: Schließberechtigungen werden über das Mobilfunknetz direkt auf den Schlüssel übertragen, bevor oder während dieser zum Einsatz kommt. Änderungen lassen sich so aus der Ferne verwalten, ohne physische Interaktion am Schlüssel selbst.

Das eröffnet insbesondere folgende Szenarien: Externe Dienstleister, die für eine einmalige Wartungsmaßnahme temporären Zutritt benötigen, erhalten Berechtigungen zeitlich begrenzt und vollständig fernverwaltbar. Nach Ablauf der Einsatzdauer erlischt die Berechtigung automatisch. Wechselnde Einsatzteams mit unterschiedlichen Personen können flexibel bedient werden, ohne dass jedes Mal ein Vor-Ort-Termin zur Schlüsselübergabe oder Updatestation erforderlich ist.

Sicherheitsarchitektur und Datenverschlüsselung

Die Datenübertragung zwischen Mobilfunknetz und Schlüssel ist laut Hersteller Ende-zu-Ende mit AES-128 verschlüsselt, einem Standard, der auch in sicherheitskritischen Behörden- und Bankenanwendungen eingesetzt wird.

Bei der Planung vernetzter Schlüsselsysteme sollten Betreiber dennoch einige sicherheitsrelevante Fragen vorab klären. Mobilfunkverbindungen können temporär unterbrochen sein, sei es durch Netzausfälle, Funklöcher oder gezielte Störsignale. Ein robustes System muss daher einen Fallback-Betrieb ermöglichen: Der Schlüssel sollte auf Basis zuletzt empfangener Berechtigungen auch ohne aktive Verbindung funktionieren. Darüber hinaus empfiehlt sich bei sicherheitskritischen Liegenschaften eine Prüfung, ob das System mit den Anforderungen VdS-zertifizierter Sicherheitskonzepte vereinbar ist.

Typische Einsatzbereiche: Wo vernetzter Schlüssel seinen Mehrwert entfaltet

Industrieareale und Produktionsstätten mit mehreren Gebäuden und wechselndem Servicepersonal profitieren davon, dass Berechtigungen für externe Wartungsteams zentral und zeitlich begrenzt vergeben werden können, ohne dass ein unternehmenseigener Mitarbeiter physisch anwesend sein muss. Das reduziert den Koordinationsaufwand und schließt Sicherheitslücken, die durch verzögerte Berechtigungsentzüge entstehen können.

Energieversorger und Betreiber kritischer Infrastrukturen stehen vor der Aufgabe, viele verteilte Stationen wie Trafostationen, Pumpwerke und Schaltanlagen regelmäßig warten zu lassen. Vernetzte Schlüsselsysteme ermöglichen hier eine zentralisierte Berechtigungsverwaltung über alle Standorte hinweg und dokumentieren sämtliche ZutrittsEreignisse lückenlos.

Facility-Management-Unternehmen, die mehrere Liegenschaften im Auftrag betreuen, können mit vernetzten Schlüsseln flexibler auf kurzfristige Einsatzplanungen reagieren und Berechtigungen ohne Fahrtaufwand anpassen.

Vergleich mit bestehenden elektronischen Lösungen

Der Markt für elektronische und mechatronische Schließlösungen bietet bereits verschiedene Ansätze für fernverwaltete Systeme. Online-Zylinder verbinden sich per WLAN oder kabelgebundenen Netzwerken direkt mit der Infrastruktur und ermöglichen Echtzeit-Berechtigungsänderungen. Cloud-basierte Zutrittssysteme verlagern die Verwaltung in sichere Rechenzentren und bieten ein zentrales Dashboard für alle Standorte.

Der vernetzte Schlüssel unterscheidet sich von diesen Ansätzen dadurch, dass das Schließglied selbst passiv bleibt und keinen Netzwerkanschluss benötigt. Das ist besonders dort relevant, wo bestehende Schlösser erhalten bleiben sollen und eine Vernetzung des Schließglieds baulich oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Nachrüstprojekte in Bestandsgebäuden sind damit ein typisches Einsatzszenario, in dem vernetzte Schlüssel ihre Stärken ausspielen können.

Planungshinweise für Betreiber

Wer vernetzte Schlüsselsysteme in Betracht zieht, sollte folgende Punkte in die Planung einbeziehen:

Netzabdeckung: NB-IoT und LTE-M sind in Deutschland breit verfügbar, jedoch sollte die Abdeckung am konkreten Standort, insbesondere in Gebäudeuntergeschossen und abgeschirmten Industriehallen, vorab mit einem Feldtest oder Abdeckungskarte des Mobilfunkanbieters geprüft werden.

Softwareintegration: Vernetzte Schlüssel sind an eine herstellerspezifische Verwaltungsplattform gebunden. Ob diese in bestehende Zutrittsverwaltungs- oder Facility-Management-Software integriert werden kann, sollte vor der Beschaffung verbindlich geklärt werden.

Datenschutz: Da Schließereignisse mit Zeitstempel über Mobilfunknetze übertragen und in der Verwaltungssoftware gespeichert werden, entstehen personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO. Verarbeitungsverzeichnis, Informationspflichten gegenüber Schlüsselträgern und ggf. Betriebsvereinbarungen sind entsprechend anzupassen.

Wartung und Lebenszyklus: Ein strukturierter Wartungsplan für die Schlüssel selbst, einschließlich Akkuwechsel und Softwareupdates, ist Bestandteil einer professionellen Instandhaltungsstrategie für elektronische Sicherheitssysteme.

Fazit

Vernetzte Schlüssel mit eigener Mobilfunkverbindung lösen ein reales Verwaltungsproblem bei verteilten Liegenschaften. Sie ergänzen das Portfolio elektronischer Schließlösungen um eine Option, die ohne Vor-Ort-Interaktion auskommt und dennoch hohe Sicherheitsstandards erfüllt. Die Technologie befindet sich in der Markteinführungsphase. Es lohnt sich, die Eignung für den eigenen Liegenschaftsbestand frühzeitig zu bewerten und gemeinsam mit Fachleuten zu durchdenken, welche Kombination aus vernetztem Schlüssel, Online-Zylinder und mechatronischer Schließtechnik den Anforderungen am besten entspricht.

Bei Konntec beraten wir Sie zu elektronischen und mechatronischen Schließlösungen und helfen Ihnen dabei, die technisch und wirtschaftlich passende Option für Ihre Liegenschaften zu identifizieren.

Quelle: eCLIQ Flash: Der erste elektronische Mobilfunk-Schlüssel für die Zutrittskontrolle https://protector.de/ecliq-flash-erster-mobilfunk-schluessel-fuer-zutrittskontrolle, protector.de

Entdecken Sie weitere Beiträge rund um moderne Sicherheitslösungen, Zutrittskontrolle und innovative Technik von Konntec.

SICHERHEITSLÖSUNGEN DIE ZU DIR PASSEN.

Konntec bietet als führender Anbieter in Deutschland skalierbare Sicherheitstechnik für Wirtschaft, Handel, Industrie und öffentliche Einrichtungen. Das Familienunternehmen, unter Leitung von Tino und Dennis Konnertz, die auf umfangreiche Branchenerfahrung setzen, entwickelt kontinuierlich ihr Know-how weiter. Unser breites Angebot umfasst mechanische und elektronische Schließanlagen, berührungsfreie Zutrittssysteme, CCTV, Alarmanlagen und Rettungswegsicherungen.

Kategorien:

Grundlagen & Strategie der Unternehmenssicherheit,Zutrittskontrolle & Perimeterschutz

Beitrag teilen:

Weitere Beiträge

Fragen zu unseren Lösungen?

Wir bieten Ihnen die perfekte und individuelle Lösung, um Ihr Gebäude abzusichern.
Falls Sie Fragen zu unseren Projekten oder Produkten haben, kontaktieren Sie uns gerne.

Thomas Neuhaus

Leitung Vertrieb & Service

Vertrieb anfragen