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Mobile Credentials: Der Umstieg von Chipkarte auf Smartphone

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Die Chipkarte stirbt. Langsam, aber sicher. Wer den Umstieg auf Mobile Credentials nur als technische Entscheidung betrachtet, hat die eigentliche Frage noch nicht gestellt.

Der Markt hat entschieden, aber die Rechnung fehlt

Der Anteil von Smartphone-basierten Credentials in gewerblichen Zutrittssystemen hat sich in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Errichter berichten, dass mobile Lösungen bei Neuinstallationen im Büro- und Gewerbebereich inzwischen häufiger nachgefragt werden als klassische Kartensysteme.

Die Kaufentscheidung fällt dabei oft schnell: Das Smartphone ist modern, der Kartenleserbetrieb wirkt veraltet, die Präsentationen sehen überzeugend aus. Was selten passiert: eine strukturierte Gegenüberstellung der tatsächlichen Gesamtkosten über die Nutzungsdauer einer Anlage. Das ist ein Problem. Denn Mobile Credentials sind in bestimmten Szenarien die überlegene Lösung und in anderen die teurere.

Was Mobile Credentials wirklich kosten

Die Chipkarte hat einen offensichtlichen Vorteil bei der Anschaffung. Eine einfache MIFARE-Karte kostet zwischen einem und fünf Euro, ein verschlüsselter Ausweis mit SEOS- oder DESFire-Technologie zwischen fünf und zwanzig Euro. Das Smartphone bringt der Mitarbeiter mit. Anschaffungskosten für das Medium: null.

Soweit die vereinfachte Betrachtung. Mobile-Access-Systeme erfordern eine Backend-Infrastruktur, die in der Regel als SaaS-Modell betrieben wird. Das bedeutet laufende Lizenzkosten pro Nutzer und Monat, oft zwischen zwei und acht Euro je nach Anbieter und Funktionsumfang. Bei 50 Mitarbeitern und einer Anlage mit zehnjähriger Nutzungsdauer summiert sich das auf 12.000 bis 48.000 Euro allein für die Softwarelizenz. Beträge, die bei einer klassischen On-Premise-Zutrittslösung in dieser Form nicht anfallen.

Dazu kommen Abhängigkeiten, die bei der Kaufentscheidung selten explizit benannt werden: Betriebssystem-Updates können die App-Kompatibilität beeinflussen. Anbieterwechsel sind aufwändiger als bei kartenbasierten Systemen, weil Credentials an Plattformen gebunden sind. Und wenn ein Mitarbeiter sein Smartphone verliert oder wechselt, ist die Credential-Verwaltung zwar einfacher als ein Schlüsseltausch, aber sie erfordert funktionierende IT-Prozesse und eine zuständige Person.

Wo Mobile Access seine Stärken wirklich ausspielt

Der bedeutendste Vorteil ist die Verwaltungseffizienz bei großen, dynamischen Nutzergruppen. Wer täglich Zugänge anlegt, ändert und sperrt, etwa in Logistikzentren mit hoher Fluktuation oder in Gebäuden mit vielen Fremdfirmen, spart mit Mobile Credentials erheblichen administrativen Aufwand. Eine digitale Credential kann in Sekunden ausgestellt, angepasst und entzogen werden, ohne dass eine Karte physisch übergeben oder eingezogen werden muss.

Relevant ist das auch im Sicherheitsaspekt: Eine verlorene Chipkarte bleibt bis zur Sperrung im System aktiv, und die Sperrung hängt davon ab, dass der Verlust gemeldet wird. Eine Credential auf einem gesperrten Smartphone ist dagegen sofort wertlos, sofern das System korrekt konfiguriert ist.

Für Objekte mit stabilen Nutzerstrukturen, also Bürogebäude mit fester Belegschaft und geringem Wechsel, ist der Effizienzvorteil deutlich kleiner. Klassische Kartensysteme mit guter Zutrittssoftware bieten dort denselben Komfort bei niedrigeren laufenden Kosten.

Bluetooth, NFC, UWB: Nicht jede Technologie passt zu jedem Objekt

Mobile Credentials übertragen die Berechtigung per Bluetooth Low Energy, NFC oder in neueren Systemen per Ultra-Wideband. Die Wahl der Übertragungstechnologie ist keine rein technische, sie ist eine betriebliche.

Bluetooth Low Energy ist die am weitesten verbreitete Technologie. Sie funktioniert mit Abstand und ermöglicht den sogenannten Hands-free-Zugang: Die Tür öffnet, wenn der Mitarbeiter in die Nähe des Lesers kommt, ohne das Telefon aus der Tasche zu nehmen. Das ist bequem und erzeugt in Hochsicherheitsbereichen ein Problem, wenn die Abstandsdefinition zu großzügig konfiguriert ist.

NFC erfordert aktives Heranführen des Smartphones an den Leser, ähnlich wie eine Chipkarte. Das ist weniger bequem, aber sicherer in der Zugangskontrolle und weniger anfällig für ungewollte Auslösungen.

Ultra-Wideband ist die präziseste Technologie und ermöglicht eine zentimetergenaue Positionsbestimmung. Sie steckt im gewerblichen Zutrittssegment noch in den Anfängen, bietet aber für sicherheitskritische Anwendungen das höchste Potenzial.

Die Entscheidung für eine Übertragungstechnologie sollte vom Sicherheitsbedarf des Objekts ausgehen, nicht von der Standardkonfiguration des Herstellers.

Was die Umstellung konkret bedeutet

Wer von einer kartenbasierten Anlage auf Mobile Credentials umstellt, steht vor einer Entscheidung: Hybridbetrieb oder vollständiger Wechsel.

Der Hybridbetrieb ist in der Übergangsphase sinnvoll, aber dauerhaft teurer und aufwändiger in der Verwaltung. Zwei parallele Systeme bedeuten doppelte Schnittstellen, doppelte Protokollierung, doppelter Supportaufwand.

Der vollständige Wechsel setzt voraus, dass alle Nutzer über ein kompatibles Smartphone verfügen und bereit sind, es für den Zugang zu nutzen. Das ist in vielen Betrieben keine Selbstverständlichkeit. Teilzeitkräfte, ältere Mitarbeiter, Branchen mit strengen Smartphone-Regelungen am Arbeitsplatz. Eine Lösung ohne Fallback ist für diese Gruppen nicht praxistauglich.

Eine strukturierte Umstellungsplanung, die Nutzergruppen, Sicherheitsanforderungen und Betriebskosten gemeinsam bewertet, ist die Grundlage jeder sinnvollen Entscheidung. Wer das überspringt und direkt ins Produkt einsteigt, kauft sich möglicherweise eine Lösung, die zum Objekt passt oder eben nicht.

Konntec plant Zutrittssysteme auf Basis einer Objektanalyse. Welches Medium für welches Objekt die richtige Wahl ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Die Frage ist immer: Was kostet es wirklich, was bringt es wirklich und für wen?

Quelle: PROTECTOR, Mobile Access: Weniger Kosten ohne Sicherheitskompromisse, protector.de, 07.09.2026

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Thomas Neuhaus

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