Im September 2026 wurden nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg Sprengvorrichtungen entdeckt. Es ist kein Einzelfall. Und er stellt eine Frage, die viele Betreiber noch nicht beantwortet haben: Wie resilient ist meine physische Sicherheitsinfrastruktur gegen gezielte Störungen?
Was in Jänschwalde passiert ist
Nahe dem Kraftwerk Jänschwalde, einem der größten Kohlekraftwerke Deutschlands, haben Ermittler im September 2026 zwei Sprengvorrichtungen gefunden. Angriffssziel war offenbar die Infrastruktur rund um das Kraftwerk. Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Sabotageakten gegen Infrastrukturanlagen in Europa ein, die seit dem russischen Angriff auf die Ukraine erheblich zugenommen hat.
Was diese Vorfälle gemeinsam haben: Sie richten sich nicht primär gegen die digitale Infrastruktur, sondern gegen physische Anlagen. Wie NIS-2 den Schutz physischer Infrastruktur verbindlich einfordert, gilt für KRITIS-Betreiber direkt, für andere Betriebe als strategische Orientierung.
Sabotage als unterschätztes Risiko für Gewerbebetriebe
Sabotage ist kein Thema, das in den Risikomodellen kleiner und mittlerer Betriebe häufig vorkommt. Das liegt nicht daran, dass es irrelevant wäre, sondern daran, dass es lange als unwahrscheinlich galt.
Diese Einschätzung hat sich verändert. Bundesverfassungsschutz und BKA berichten seit 2022 von einer erhöhten Bedrohungslage für Infrastrukturanlagen, die über klassische KRITIS-Objekte wie Kraftwerke und Wasserwerke hinausgeht. Auch Industriebetriebe, Logistikzentren und Versorgungseinrichtungen geraten in den Fokus.
Sabotage zielt darauf, Betriebsabläufe zu unterbrechen, Schäden zu verursachen oder Aufmerksamkeit zu erzeugen. Angriffe auf Zufahrten, Versorgungsleitungen oder Außenanlagen können erhebliche Schäden verursachen, ohne dass ein klassischer Einbruch stattfindet.
Was das für physische Sicherheitskonzepte bedeutet
Klassische Einbruchschutzkonzepte sind auf opportunistische oder professionelle Einbrecher ausgerichtet, die Werte entwenden wollen. Sabotagekonzepte denken anders: Wer will welche Schäden verursachen, und über welche Angriffspunkte?
Das verändert die Risikoanalyse. Für Einbruchschutz ist der Wert der Beute das zentrale Kriterium. Für Sabotageresilienz ist es die Kritikalität des Angriffspunkts. Eine unscheinbare Transformatorstation kann für einen Betrieb wichtiger sein als der Tresorraum.
Technische Maßnahmen für erhöhte Resilienz
Zutrittskontrolle mit lückenloser Protokollierung ist die Grundlage. Wer wann wo war, ist im Nachgang einer Störung die erste Frage, die Ermittler und Versicherungen stellen. Welche Anforderungen dabei an die Protokollierung in sicherheitskritischen Objekten gestellt werden, gilt als Orientierung auch für Industrieobjekte.
VdS-konforme Einbruchmeldeanlagen überwachen nicht nur Eindringlinge, sondern auch Manipulationsversuche an der Anlage selbst. Sabotageschutz ist ein definiertes Merkmal nach EN 50131. Redundanz in der Aufschaltung ist ebenfalls entscheidend: Eine Leitstellenaufschaltung, die nur über einen einzigen Kommunikationsweg läuft, ist eine potenzielle Schwachstelle.
KRITIS und die Grenze zum normalen Gewerbebetrieb
Die regulatorischen Anforderungen für KRITIS-Betreiber sind klar definiert und umfangreich. Für Gewerbebetriebe ohne KRITIS-Status liegt die Entscheidung beim Betreiber. Wer von einer Betriebsunterbrechung wirtschaftlich existenziell abhängt, sollte Sabotageresilienz als Teil seiner Risikobetrachtung verstehen.
Ein strukturiertes Sicherheitsaudit ist der sinnvolle Einstieg: Es identifiziert die kritischen Punkte des Objekts und zeigt, wo der Schutz gegen gezielte Störungen heute noch lückenhaft ist.
Konntec plant Sicherheitskonzepte, die neben klassischem Einbruchschutz auch erhöhte Anforderungen an Betriebskontinuität und Außensicherung abdecken.
Quelle: PROTECTOR RSS, Sabotage an Stromnetz: Sprengsätze nahe Kraftwerk entdeckt, protector.de, 02.09.2026; BKA Bundeslagebild 2025
